Mann nimmt am Laptop an einer virtuellen Konferenz teil.
(Bild: ©baranq - stock.adobe.com)
26.11.2020 | Bioenergie, Energiewendebauen, Erneuerbare Energien, Flexible Energieumwandlung, Industrie und Gewerbe, Start-ups, Stromnetze, Systemanalyse, Wasserstoff

SET-Plan-Konferenz: Mehr europäische Zusammenarbeit bei der Energieforschung

Auf der 14. SET-Plan-Konferenz wurde deutlich, dass die Energieforschung zunehmend länder- und sektorenübergreifend arbeitet. Das könnte auch bei der wirtschaftlichen Erholung von den Folgen der Corona-Pandemie helfen.

"Unser Ziel ist es, die europäische Wirtschaft wieder stark zu machen. Gute Lösungen mit unseren europäischen Partnerinnen und Partnern zu finden, wird Dreh- und Angelpunkt dieser Konferenz", sagte Andreas Feicht, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), in seinem Grußwort. Und legte damit den roten Faden ein, der sich durch die 14. SET-Plan-Konferenz zog: die Vertiefung der europäischen Zusammenarbeit im Bereich Forschung und Innovation.

Das BMWi organisierte die diesjährige Konferenz am 23. und 24. November im Rahmen der deutschen Ratspräsidentschaft gemeinsam mit der EU-Kommission. Deren "Strategic Energy Technology Plan", kurz SET-Plan, bildet den strategischen Überbau für die Energieforschung in Europa. Das große Ziel wurde auch auf der Konferenz von allen Teilnehmern bestätigt: die Klimaziele 2030 und 2050 zu erreichen.

Und diese sind durch Corona nicht gefährdet, im Gegenteil: Mit dem Konferenz-Titel "Making the SET Plan fit for the EU Green Recovery" deuteten die Gastgeber bereits an, dass ökonomische Maßnahmen zur Erholung der EU-Wirtschaft auch ökologische Maßnahmen sein sollen. 37 Prozent der Mittel aus der Aufbau- und Resilienzfazilität des Covid-Krisen-Fonds sollen in den ökologischen Wandel fließen, erklärte Energiekommissarin Kadri Simson.

"Wenn wir bereits jetzt investieren, dann ermöglicht das einen weniger kostenintensiven Weg zu den Klimazielen 2050. Es bietet sich sogar an, weil wir in der Covid-Krise ohnehin Erholungsmaßnahmen umsetzen müssen", sagte Tudor Constantinescu, Hauptberater der Generaldirektorin Energie der Kommission.

Grüne Speicher dank Wasserstoff und Batterien

Er warb für Investitionen in Wasserstoff. "Wir werden bis 2050 nicht 100 Prozent Wasserstoffanteil bei der Energieversorgung haben, aber die Hälfte wäre vorstellbar, wenn wir jetzt investieren", so Constantinescu. Dabei würde die Forschung eine "essenzielle Rolle" spielen. Unterstützt werden solle aber nur die Forschung an Technologien, die grünem Wasserstoff den Weg bereiten.

Zustimmung erntete er dafür von allen Seiten: Aus der Praxis von Taia Kronborg vom französischen Wasserstoff-Start-up LHyfe, aus der nationalen Politik beispielsweise von Ulrich Benterbusch, Abteilungsleiter im BMWi unter anderem für Energieeffizienz in Industrie und Haushalten. Anderen Farben, insbesondere dem aus fossilen Brennstoffen gewonnen "blauen" Wasserstoff, bleibe eine unterstützende Rolle.

Neben Wasserstoff blieben auch Batterien als Speicher relevant, betonte Michael Lippert, Vorsitzender der EU-Innovationsplattform "Batteries Europe". In einem Panel zu der Frage, wie Forschung und Innovation die Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Cleantech-Industrie unterstützen können, betonte er aber, dass der Akku-Sektor noch wachsen müsse, um global aufholen zu können.

Hier könnten nicht nur kluge politische Rahmenbedingungen, sondern auch weitere öffentliche Plattformen helfen, schlug Nigel Jollands vor, stellvertretender Direktor für Energieeffizienz und Klimawandel der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Auf solchen Plattformen könnten Industriepartner zusammen und auch in Kontakt mit Forschern kommen.

"Sektorübergreifende Cluster" gründen

Dass die Zusammenarbeit aller Beteiligten wichtiger werde, international und sektorübergreifend, betonte auch Mechthild Wörsdörfer, Direktorin für Nachhaltigkeit und Technologie bei der Internationalen Energieagentur: "Wir brauchen Technologien, die noch nicht verfügbar sind. Dafür müssen wir Sektorenziele vereinbaren und entsprechende Roadmaps entwickeln. Genauso wichtig werden aber auch sektorübergreifende Cluster, die vor Ort Projekte mit Vorbildcharakter umsetzen", sagte sie. Auch über nationale Grenzen hinweg.

Jean-Eric Paquet, Generaldirektor der Kommission für Forschung und Innovation, sagte, die Konferenz falle nicht nur wegen der Corona-Pandemie, sondern auch wegen der Debatte um den Green New Deal in eine spannende Zeit. Von EU-Seite wolle man Forschungsprojekte noch stärker unterstützen.

Eines dieser übergreifenden Projekte ist beispielsweise die Living Labs Europe Competition, ein Wettbewerb, der als innovatives Format der Förderung versucht, die Energiewende im End-Use Sektor ganzheitlich zu unterstützen. Dieser werde "exzellente Forschung, eine grünere Ökonomie und Lösungsangebote für den Endverbrauchssektor" zusammenbringen, erklärte Markus Kratz, Leiter des Bereichs Energiesystemnutzung beim Projektträger Jülich. Ein solches Wettbewerbs-Format hole auch interessierte Bürger ab und schaffe damit noch mehr Akzeptanz für die Transformation des Energiesystems. Und für Katja Neumann, Ministerialdirigentin am BMWi und unter anderem für Energieeffizienz in Gebäuden und Forschung zuständig, sind die Living Labs neben der besseren Vernetzung auch "eine Möglichkeit für Deutschland, von anderen Ländern zu lernen."

In der Konferenz-Abschlussrunde erklärte Neumann, dass der SET-Plan einen Beschleunigungseffekt auf die europäische Energiewende habe. Das mache ihn so wertvoll. EU-Energie-Generaldirektorin Ditte Juul Jørgensen stimmte zu: Die Synergien, die der Set-Plan geschaffen habe, seien mittlerweile in konkrete Projekte gemündet, von denen auch die Wirtschaft profitiere.

2021 wird die 15. SET-Plan-Konferenz in Slovenien stattfinden. Tina Seršen vom Slovenischen Ministerium für Infrastruktur äußerte die Hoffnung, dass die Covid-Pandemie dann wieder eine Vor-Ort-Veranstaltung zulassen werde. Im kommenden Jahr wird auch das neue Rahmenprogramm Horizont Europa starten, das das derzeitige Programm Horizont 2020 ablöst. Auch die energiepolitischen Ziele aus dem Green Deal fließen in die Weiterentwicklung des SET-Plans ein und haben Einfluss auf die Auswahl der Förderschwerpunkte in Horizont Europa. (pj)

Mehr Informationen zu Strategien und Partnerschaften auf europäischer Ebene bietet der Bericht zur 14. SET-Plan-Konferenz auf energieforschung.de

Einen ausführlichen Blick auf die Konferenz aus Industrie-Perspektive können Sie auf industrie-energieforschung.de lesen

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