Mehr Pioniere für die Energiewende
(Bild: ©auremar - stock.adobe.com)
18.06.2020 | Energiewendebauen

Damit Forschung in die Praxis kommt: Mehr Pioniere für die Energiewende, bitte!

Für energieeffiziente Maßnahmen in Gebäuden und Quartieren muss mehr Transparenz geschaffen und Aktivitäten stärker miteinander vernetzt werden. Darüber waren sich die Referenten des BMWi-​Webinars „Heute schon für 2050 bauen“ einig.

Die Vor­trä­ge der Re­fe­ren­tin­nen und Re­fe­ren­ten fin­den Sie auf der Seite der Ber­li­ner En­er­gie­ta­ge.

Bauen wir heute schon für 2050? Ja! Den­noch gaben 2/3 der Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer des We­bi­nars „Heute schon für 2050 bauen - wel­che Rolle spie­len For­schung und In­no­va­ti­on?“ an, dass wir auf der Ziel­ge­ra­den zur En­er­gie­wen­de 2050 noch am An­fang ste­hen. Die BMWi-​Veranstaltung war Teil der Ber­li­ner En­er­gie­ta­ge 2020.

In­no­va­ti­ve und kos­ten­ef­fi­zi­en­te Lö­sun­gen sowie die Di­gi­ta­li­sie­rung und Mo­du­la­ri­sie­rung sind Schlüs­sel­ele­men­te für en­er­gie­ef­fi­zi­en­te Ge­bäu­de und Quar­tie­re von mor­gen. Auch der Dia­log zwi­schen For­schung und Pra­xis sei ein wich­ti­ger Bau­stein, so Thors­ten Her­dan, Lei­ter der Ab­tei­lung En­er­gie­po­li­tik, Wärme und Ef­fi­zi­enz im Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und En­er­gie (BMWi) in sei­nem Gruß­wort: "Wir müs­sen ana­ly­sie­ren, was die Nut­ze­rin­nen und Nut­zer wol­len, die im Ge­bäu­de und Quar­tier woh­nen, ar­bei­ten oder pro­du­zie­ren, so­dass sich For­schung und Ent­wick­lung dar­auf ein­rich­ten und spe­zi­fi­sche Lö­sun­gen an­bie­ten kann."

En­er­gie­sys­tem 2050: Die Kom­ple­xi­tät steigt

Die An­sprü­che an die In­fra­struk­tu­ren un­se­rer Städ­te stei­gen: Ge­bäu­de und Quar­tie­re von mor­gen sind mit­ein­an­der ver­netzt und ver­sor­gen sich ge­gen­sei­tig mit Wärme und Kälte. Die Sek­to­ren Wärme, Kälte, Strom und Mo­bi­li­tät sind künf­tig ge­kop­pelt: Elek­tro­fahr­zeu­ge wer­den Teil des En­er­gie­sys­tems. Sie kön­nen ei­ner­seits als Spei­cher fun­gie­ren, an­de­rer­seits muss das Laden der E-​Mobile von Zu­hau­se, un­ter­wegs und am Ar­beits­platz er­mög­licht wer­den. Die Kom­ple­xi­tät des Sys­tems steigt und macht stan­dar­di­sier­te Schnitt­stel­len er­for­der­lich. Gleich­zei­tig soll es (kos­ten)ef­fi­zi­ent, in­tel­li­gent und ver­sor­gungs­si­cher sein.

Die Hälf­te der in Deutsch­land ein­ge­setz­ten 20,8 Mil­lio­nen im Be­stand ein­ge­setz­ten Heiz­sys­te­me ist ver­al­tet. Lö­sun­gen ba­sie­ren auf der Um­rüs­tung zu mul­ti­va­len­ten Sys­te­men, die mit un­ter­schied­li­chen En­er­gie­trä­gern – vor­zugs­wei­se mit er­neu­er­ba­ren En­er­gien – be­trie­ben wer­den kön­nen. 70 Pro­zent des Wär­me­en­er­gie­be­darfs wer­den ak­tu­ell noch über fos­si­le En­er­gie­trä­ger ge­deckt. Lö­sun­gen für eine er­folg­rei­che Wär­me­wen­de lie­gen darin, Gas-​basierte Sys­te­me ab­zu­lö­sen und er­neu­er­ba­re En­er­gien, Um­welt­wär­me, Geo­ther­mie sowie Ab­wär­me groß­flä­chig in die Wär­me­net­ze ein­zu­bin­den.

Wär­me­net­ze der 5. Ge­nera­ti­on: Konsumer-​Prosumer-Modelle

Im Re­al­la­bor Tran­sUr­ban.NRW bin­den Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler etwa über ein Wär­me­netz der 5. Ge­nera­ti­on alle Tem­pe­ra­tur­ni­veaus ein. Auch die Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher kön­nen so­wohl En­er­gie aus dem Netz nut­zen als auch selbst be­reit­stel­len. Der Kon­su­mer wird zum Prosumer. "Mit Tran­sUr­ban.NRW wol­len wir Ge­schäfts­mo­del­le wei­ter­ent­wi­ckeln und Konsumer-​Prosumer-Anreize auch be­wer­ten: Wie aktiv oder pas­siv sind die Nut­ze­rin­nen und Nut­zer in­ner­halb einer En­er­gie­platt­form? Ziel ist, den Kon­su­mer zum Teil der En­er­gie­wen­de zu ma­chen", sagt Jo­chen Hand­ke von E.ON En­er­gy So­lu­ti­ons.

Wir brau­chen Pio­nie­re für Energie-​Innovationen

Damit Er­geb­nis­se aus der For­schung in die Pra­xis kom­men, sind aus Sicht aller Re­fe­ren­tin­nen und Re­fe­ren­ten des We­bi­nars, Pio­nie­re aus­schlag­ge­bend. Denn sie zei­gen, dass die En­er­gie­wen­de im Ge­bäu­de und Quar­tier mit den Tech­no­lo­gien von heute schon funk­tio­nie­ren kann. „Bis­her haben wir noch zu wenig sicht­ba­re Schlüs­sel­ak­teu­re“, sagt Chris­ta Rei­cher, Ar­chi­tek­tin, Stadt­pla­ne­rin und Di­rek­to­rin des In­sti­tuts für Städ­te­bau und eu­ro­päi­sche Ur­ba­nis­tik an der RWTH Aa­chen. „En­er­gie­wen­de und En­er­gie­ef­fi­zi­enz kann nicht ver­ord­net wer­den, son­dern es müs­sen un­ter­schied­li­che Mo­ti­va­tio­nen zu­sam­men­ge­schal­tet wer­den“.

Mark­teil­neh­mer ver­un­si­chert: mehr Trans­pa­renz und Ver­net­zung

Das größ­te Po­ten­zi­al für die En­er­gie­wen­de im Ge­bäu­de und Quar­tier liegt im Be­stand. Al­ler­dings habe eine en­er­ge­ti­sche Sa­nie­rung nicht den Stel­len­wert einer Ur­laubs­rei­se oder einer Alu­fel­ge am Auto, be­rich­tet Jür­gen Lep­pig als Vor­sit­zen­der des Bun­des­ver­ban­des der Ge­bäu­de­en­er­gie­be­ra­ter (GIH) aus der Pra­xis. "Viele Haus­be­sit­zer wis­sen, was Sie haben wol­len. Was sie  haben könn­ten, über­bli­cken je­doch we­ni­ge." Es herrscht eine große Ver­un­si­che­rung am Markt, die sich nur durch mehr Trans­pa­renz lösen lässt. Ein we­sent­li­ches Kri­te­ri­um ist zum Bei­spiel das Ver­trau­en der Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher in so­ge­nann­te Smart-​Metering-Technologie. „Es ist Auf­ga­be der In­dus­trie den Nut­zern, die Angst vor Kon­troll­ver­lust und man­geln­der Si­cher­heit bei der Nut­zung kom­ple­xer, au­to­ma­ti­sier­ter Sys­te­me zu neh­men“, sagt Mar­tin Roß­mann von der Firma Viess­mann.

Größ­ter Trei­ber in En­er­gie­ef­fi­zi­enz­maß­nah­men oder er­neu­er­ba­rer En­er­gien zu in­ves­tie­ren, sind die ei­ge­ne Un­ab­hän­gig­keit von der En­er­gie­ver­sor­gung, dicht ge­folgt vom Kom­fort und Kon­se­quen­zen für die Um­welt.

Rolle von En­er­gie­be­ra­tern und Hand­werk als Change-​Agents stär­ken

Für die Men­schen, die im Ge­bäu­de woh­nen, ar­bei­ten oder pro­du­zie­ren, muss der Nut­zen und Kom­fort en­er­gie­ef­fi­zi­en­ter Maß­nah­men er­sicht­lich sein. Wich­ti­ge Mul­ti­pli­ka­to­ren sind hier die En­er­gie­be­ra­ter und das Hand­werk, die als so­ge­nann­te "Chan­ge Agents" hel­fen, in­no­va­ti­ve En­er­gie­ef­fi­zi­enz­maß­nah­men in den Markt zu brin­gen. Sie set­zen auf dem Weg zum de­zen­tra­len En­er­gie­sys­tem wich­ti­ge Im­pul­se für eine ver­bes­ser­te Ak­zep­tanz der En­er­gie­wen­de bei den Nut­ze­rin­nen und Nut­zern.

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