Fachleute bewerten Negativemissionstechnologien als unerlässlich für Klimaneutralität
Erneuerbare Energien, Effizienzmaßnahmen und Elektrifizierung senken Emissionen. Für vollständige Klimaneutralität braucht es aber mehr, so Mitglieder der Themengruppe Negativemissionstechnologien des Forschungsnetzwerks Systemanalyse. In einem Impulspapier benennen sie offenen Forschungsbedarf.
Vermeidungsstrategien seien sinnvoll, dennoch müssten zusätzliche Anstrengungen unternommen werden, um Treibhausgase mittels Negativemissionstechnologien (NET) aus der Atmosphäre zu entfernen. Zu diesem Schluss kommen Mitglieder der gleichnamigen Themengruppe, die bis Mai 2026 im Rahmen des Forschungsnetzwerks existierte.
Ihre Ergebnisse haben sie in einem Impulspapier zusammengefasst, das zu einer Grundlage für eine NET-Forschungsagenda beitragen soll, sagt Prof. Dr. Niklas Hartmann vom Institut für nachhaltige Energiesysteme INES an der Hochschule Offenburg, der die Themengruppe leitete. „In dem Impulspapier beschreiben wir zentrale Voraussetzungen für den nachhaltigen Ausbau von NET in Deutschland und die systemanalytischen Forschungsbedarfe zu NET.“
Negativemissionstechnologien (NET)
Negativemissionstechnologien (NET) umfassen Verfahren zur Entnahme von Treibhausgasemissionen aus der Atmosphäre oder aus biogenen Quellen, um sie langfristig zu speichern. Darunter fällt zum Beispiel DACCS (Direct Air Carbon Capture and Storage), ein Verfahren bei dem Treibhausgasemissionen mit Hilfe von Filtern aus der Luft abgesaugt und im Anschluss dauerhaft unterirdisch eingelagert werden. Oder BECCS (Bioenergy with Carbon Capture and Storage), wobei im Rahmen der Energieerzeugung aus Biomasse das dabei entstehende Kohlenstoffdioxid direkt abgeschieden und gelagert wird.
Offener Forschungsbedarf bei der Einbindung von NET in Energiesystemen
Das Impulspapier „Impulse für eine Forschungsagenda zu Negativemissionstechnologien in der Systemanalyse“ fasst die Diskussionen und Ergebnisse der Themengruppe zusammen und zeigt aktuell offenen Forschungsbedarf bei der Einbindung von NET in Energiesystemen auf. An dem Impulspapier haben Forschende aus mehr als 15 Forschungsinstituten, Unternehmen und Hochschulen ein Jahr lang auf freiwilliger Basis zusammengearbeitet.
Die zentralen Empfehlungen des Impulspapiers, die die Verfasser an politische Entscheidungsträger richten:
- NET seien für das Erreichen der deutschen Klimaschutzziele unverzichtbar und sollten Forschungsgegenstand des nächsten Energieforschungsprogramms sein.
- Der politische Rahmen müsse effiziente Investitionsanreize für NET setzen.
- Es sei sinnvoll, naturbasierte Maßnahmen und NET zu differenzieren und getrennt zu fördern.
- Deutschland könne von internationalen Kooperationen zu NET profitieren.
Konkreten Forschungsbedarf sehen die Wissenschaftler für eine robuste Analyse der Wechselwirkungen zwischen Energiesystem und NET:
- Bei der Entwicklung integrierter Systemmodelle zur Abbildung von NET, Kohlenstoffdioxid-Strömen und Infrastrukturbedarf.
- Bei der Bewertung langfristiger Szenarien und NET-Portfolios einschließlich von Potenzialanalysen und Landnutzungs-Risiken.
- In der partizipativen, inter- und transdisziplinären Technikfolgenforschung zu NET in Verbindung mit systemanalytischen Ansätzen.
Details zum Status Quo der NET-Forschung in Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Ländern, Voraussetzungen zum nachhaltigen Ausbau von NET sowie weitere zentrale Forschungsthemen werden ebenfalls im fünf Seiten umfassenden Impulspapiererläutert.