Starke Zusammenarbeit für eine starke Windindustrie
Als Windenergiebranche verstärkt gemeinsam arbeiten und Innovationen schneller in die Praxis transferieren – beim MatchMaking-Symposium zur Windenergieforschung in Hamburg diskutierten die Teilnehmenden die Herausforderungen und Chancen für eine wettbewerbsfähige europäische Windindustrie.
Das Veranstaltungsformat ging damit in die zweite Runde. Expertinnen und Experten der Windbranche – darunter Hersteller, Erstausrüster, Forschungsinstitute sowie Betreiber – haben bei der Reihe „MatchMaking-Symposium“ die Gelegenheit, zielführende Forschungs- und Entwicklungsansätze zu identifizieren und vor Ort zu passenden Projektkonsortien zusammenzufinden. Durch den hohen Wettbewerbsdruck aus China hat sich die Ausgangssituation für Forschungsarbeiten gewandelt: Unternehmen sprechen vermehrt eigene Entwicklungsbedarfe an und suchen passende Forschungsinstitute. Bisher ging die Suche nach Partnern eher von den Forschungsinstituten aus. Die hiesigen Unternehmen arbeiten zudem verstärkt zusammen, um wettbewerbsfähig zu sein. Das MatchMaking for rund einem Jahr hat diese Entwicklung noch einmal maßgeblich gestärkt. Ein wichtiges Instrument für die Zusammenarbeit der Hersteller ist der AK Innovation des VDMA Power Systems, der neben dem Forschungsnetzwerk Windenergie auch als Co-Organisator der Veranstaltung beteiligt war.
„Wir arbeiten im Bereich von Gremienarbeit und Zertifizierungen zwar schon länger zusammen“, sagt Dr. Rolf Bayerbach, WRD Wobben Research and Development GmbH, zugehörig zur Enercon-Gruppe. „Sobald es aber ans Know-how geht, an IP geht, an Forschung, bleiben die Firmen traditionell eher für sich. In dem letzten Jahr ist hierbei allerdings ein Quantensprung passiert. Das zeigt sich jetzt auch mit einem gemeinsamen Antrag von fünf Herstellern für ein Forschungsprojekt bei der Europäischen Union.“
Schnelle Umsetzung statt Perfektion bei neuen Windenergieanlagen
Die Forschungsinstitute ihrerseits gingen gerne auf die Bedarfe ein und nutzten das Symposium für eigene Appelle: „Wir brauchen Daten und Prüflinge“, brachte es Dr. Martin Knops vom CWD – Center for Wind Power Drives an der RWTH Aachen bei seinem Impulsvortrag auf den Punkt. Die Unternehmen ihrerseits hatten ein zentrales Anliegen, das mehrfach zur Sprache kam: „Mit unserem hohen akademischen Anspruch, jeden Fehler zu vermeiden, verpassen wir Gelegenheiten“, sagte Jens Demtröder vom Windenergieanlagenhersteller Vestas bei seinem Impuls. „Wichtiger wäre die Frage: Was kostet das perfekte Resultat?“ Für ihn könnte „good enough to use“ eine attraktive Alternative sein, Ergebnisse schneller in die Anwendung zu bringen, „perfekt wird es mit den zusätzlichen Praxisdaten doch über die Zeit.“
Dass Nachhaltigkeit allein das Verkaufsargument für Windenergie sei, diese Zeiten seien vorbei, konstatierten die Unternehmen. Energiesicherheit und Bezahlbarkeit stehen stattdessen im Fokus. „Das Ziel ist erreicht, wenn jemand Windenergie wählt, weil es die ökonomischste Lösung ist“, so Thorsten Schneider von Siemens Gamesa.
Roadmaps wurden als hilfreich angesehen, dürften aber nicht zu starre Rahmenbedingungen haben. „Agiles Vorgehen ist hierbei von Vorteil“, so Thorsten Schneider. Entsprechend sei das 8. Energieforschungsprogramm als lernendes Programm konzipiert, hieß es aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Die Anregungen des MatchMaking-Symposiums werden als wertvoller Beitrag geschätzt, um den tatsächlichen Forschungsbedarf zu identifizieren. Projekte mit Hebelwirkung für die deutsche und europäische Windindustrie seien von besonderem Interesse.
Ergebnisse von KI und Robotics bis hin zu Industrietestfeld
In vier Ideenschmiede-Workshops arbeiteten die Teilnehmenden an den Schwerpunkten „Manufacturing & Automation“, „Flexible Netzanpassungssysteme“, „Betriebsführung von Windenergieanlagen“ sowie „Designprozesse, beschleunigte Testverfahren & Product Life Cycle“. Zu letzterem entwickelten die Teilnehmenden zum Beispiel die Idee eines Industrietestfelds, in Anlehnung an spezielle Übungsbereiche des Militärs. Hier wäre man freier bei Praxistests, die schnelle Validierung neuer Designs und das niedrigschwellige Ausprobieren wären dadurch möglich.
Weitere Workshop-Ergebnisse reichten von allgemeinen Anforderungen bis hin zu konkreten Projektideen. KI und Robotics wurden als ein wichtiges Forschungsthema genannt: Im Einsatz bei Betrieb, Wartung und Reparaturen können dadurch Sicherheitsrisiken und Arbeitsgefahren vermieden und teure Einsatzzeiten (bei Starkwind oder nachts) vermieden werden. Konkrete Ideen für Forschungsprojekte gab es im Bereich der flexiblen Netzanpassungssysteme – neben dem hohen Wettbewerbsdruck ein zentrales Thema, um auf deutsche bzw. europäische Anforderungen ebenso eingehen zu können wie auf andere Absatzmärkte. Hierbei legten die Teilnehmenden einen Schwerpunkt auf hybride Erzeugungsparks mit Windenergie, Photovoltaik, Speichern und ggf. Power-to-X-Anlagen als zukunftsfähigen Lösungen für ein resilientes Energiesystem.
Videocalls für weitere Interessierte geplant
Im Nachgang sind in Eigenorganisation der Kleingruppen ergänzende Videocalls zu jedem der Workshopthemen geplant, um weiteren Interessierten die Möglichkeit für eine Teilnahme zu bieten. Die identifizierten Forschungsthemen sollen so weiter vorangetrieben werden. Wenn daraus später Projektkonsortien hervorgehen, können diese einen Antrag auf Förderung im Energieforschungsprogramm stellen. (mb)