Auftakt für BEWEGT: Forschende wollen Gesellschaftsforschung stärken
Vernetzen, mitgestalten, bewegen: Das stand bei der Auftaktveranstaltung der Begleitforschung BEWEGT Mitte März im Fokus. Forschende der mehr als 40 laufenden Projekte des Förderschwerpunkts „Energiewende und Gesellschaft“ kamen erstmals zusammen – und BEWEGT veröffentlichte ein erstes Impulspapier.
Zu Beginn der Veranstaltung betonten zwei der Sprecher des Forschungsnetzwerks „Energiewende und Gesellschaft“, Gundula Huebner von der Medical School Hamburg und Dirk Scheer vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse, die zentrale Bedeutung der Netzwerkarbeit. Sie hoben hervor, dass diese entscheidend dazu beitrage, Forschende zusammenzubringen, den Wissenstransfer zu strukturieren und einen kontinuierlichen Austausch von Expertise zu ermöglichen.
Dies ist insbesondere deshalb wichtig, weil die Forschenden im Förderschwerpunkt aus unterschiedlichen Disziplinen kommen und ein breites Themenspektrum abdecken: Von kommunaler Wärmeplanung, Bürgerenergie sowie Infrastruktur- und Flächennutzung bis hin zu Fragen von Akzeptanz und Teilhabe. Entsprechend vielfältig waren auch die auf der Konferenz vertretenen Forschungsfelder.
Der Austausch der Fachcommunity in Workshops, an Thementischen in Deep Dives und Postersessions zu verschiedenen Forschungsprojekten während der beiden Konferenztage machte deutlich, dass für die Energiewendegesellschaft Narrative und Kommunikation zu politischen Entscheidungen und gesellschaftlichen Veränderungen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Denn für die Modernisierung des Energiesystems ist essenziell, dass Forschungsergebnisse auch den Transfer in die Praxis finden – ein Feld in dem auch die Forschung im Bereich Energiewende und Gesellschaft einen großen Beitrag leisten kann.
Die Begleitforschung BEWEGT
Ziel der Begleitforschung BEWEGT des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) und des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) ist es, Forschende aus ganz Deutschland zu vernetzen, übergreifende wissenschaftliche Erkenntnisse zusammenzufassen, Handlungsempfehlungen abzuleiten und anschaulich aufbereitet zu veröffentlichen. Das soll die Sichtbarkeit und Wirkung der Projekte des Förderschwerpunkts in Politik und Gesellschaft stärken. Auf diese Weise möchten die Fachleute dazu beitragen, die Energiewende zu beschleunigen. Gelingen soll das durch Austausch, Vernetzung und dem gemeinsamen Arbeiten an Herausforderungen im Rahmen des Forschungsnetzwerks Energiewende und Gesellschaft.
Das Vorhaben wird im Rahmen des Energieforschungsprogramms des BMWE gefördert wird und läuft bis Mitte 2029.
Impulspapier fordert Stärkung der Gesellschaftsforschung für die Energiewende
Im Rahmen der Konferenz wurde ein erstes Impulspapier vom BEWEGT-Team veröffentlicht. In dem Dokument argumentieren Forschende des IÖW und des Fraunhofer ISI, dass Forschung zu Fragen sozialer Gerechtigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe, zu Kommunikation und Narrativen sowie zu geopolitischen Abhängigkeiten essenziell sei, um den Fortschritt der Energiewende in ihrer aktuellen Phase sicherzustellen.
Denn die Modernisierung des Energiesystems treffe zunehmend auf Widerstände in Wirtschaft und Gesellschaft – vordergründig aufgrund von Verteilungsfragen und sozialer Gerechtigkeit. „Diese Widerstände und Auseinandersetzungen können den Fortschritt der Energiewende erheblich beeinträchtigen“, so Karoline Rogge, Innovations- und Transformationsforscherin am Fraunhofer ISI und Projektleiterin von BEWEGT, laut einer Pressemitteilung. Eine faire Gestaltung, mehr Beteiligung und passende politische Maßnahmen seien entscheidend für Akzeptanz.
Auch Florian Kern, Co-Autor des Impulspapiers und Leiter des Forschungsfelds „Umweltökonomie und Umweltpolitik“ am IÖW, betont: „Die Forschung zeigt, dass eine gerechte Transformation mehr erfordert als ‚Verlierer‘ der Energiewende finanziell zu entschädigen. Vielmehr braucht sie gute politische Rahmenbedingungen für gesellschaftliche Teilhabe“. Gleichzeitig beeinflussten geopolitische Abhängigkeiten und globale Entwicklungen den Erfolg, was der europäischen Zusammenarbeit und dem Einlenken gegen Rohstoffabhängigkeit hohe Relevanz verschaffe.
Impulspapier „Energiewende zwischen Beschleunigung und Backlash: Gesellschaftsforschung stärken“
Die Forschenden formulierten im Impulspapier drei Thesen, wie gesellschaftsbezogene Energiewendeforschung zum Erfolg der Modernisierung des Energiesystems beitragen kann:
- Zentrale Herausforderungen für die Energiewende liegen im politischen und gesellschaftlichen Bereich.
- Die gesellschaftsbezogene Energiewendeforschung ermöglicht es, sozio-technische Herausforderungen besser zu verstehen und Lösungen zu erproben.
- Gesellschaftliche Debatten müssen mehrheitsfähige Lösungsansätze identifizieren und in die Umsetzung bringen.
Begleitforschung plant Jahrestreffen und Weiterbildungen
Wie geht es weiter mit der Energiewendegesellschaft? Nach der Auftaktkonferenz wird es künftig Jahrestreffen und kleinere Events und Fachweiterbildungen des Netzwerks geben, bei denen die Community zusammenkommen kann. Außerdem ermutigte Karoline Rogge die Forschenden, weitere Forschungsprojekte zu starten und Impulspapiere zu ihren Forschungsfeldern zu veröffentlichen.
Foto-Impressionen der Auftakt-Konferenz gibt es hier.