Vollversammlung Forschungsnetzwerk Windenergie macht Forschungserfolge sichtbar
Ergebnisse aus den breit aufgestellten Themenbereichen im Forschungsnetzwerk Windenergie, die Vorstellung der neuen AG-Sprecherinnen und -Sprecher, Diskussionen der Community und fachlicher Input für die Weiterentwicklung des Energieforschungsprogramms – das bot die digitale Vollversammlung.
In einem Grußwort hob das BMWE die Relevanz der Energieforschung hervor. Die Energieforschungsförderung der Bundesregierung, die nun seit fast 50 Jahren besteht, sehe sich keineswegs am Ende, im Gegenteil: Forschung und Entwicklung seien essenzielle Werkzeuge, um mit den anstehenden Herausforderungen umzugehen. Entsprechend machte die Veranstaltung deutlich, dass es an Forschungsbedarf im Bereich Windenergie keineswegs mangelt. Die neuen Sprecherinnen und Sprecher der beiden Fachausschüsse und der Arbeitsgruppen präsentierten die Themen, die ihrer Ansicht nach in nächster Zeit in ihrem Aufgabengebiet prioritär behandelt werden müssen.
Die Herausforderungen für die kommenden Jahre sind vielfältig. „Was können wir tun, um den maximalen Ertrag zu erreichen?“, fragte etwa Dr. Jan Teßmer, DLR, Sprecher aufseiten der Forschung für die AG Betrieb – und nannte mehrere Lösungsansätze, unter anderem Prognosen, intelligente Steuerung oder Big Data. „Dazu müssen wir auch auf die netzseitigen Anforderungen schauen“, ergänzte Ursula Smolka von NeXtWind, industrieseitige Sprecherin der AG Betrieb – verbunden mit einem Aufruf an Netzbetreiber, sich im Forschungsnetzwerk Windenergie verstärkt einzubringen.
Die Vollversammlung des Forschungsnetzwerks Erneuerbare Energien – Windenergie und den dort versammelten Expertinnen und Experten diente weiterhin dazu, Impulse aufzunehmen: Wie passen die definierten Ziele des Energieforschungsprogramms mit den aktuellen Herausforderungen zusammen? Gibt es Anpassungsbedarf? Als lernendes Programm ist das Energieforschungsprogramm darauf ausgelegt, regelmäßig überprüft und fortgeschrieben zu werden. Zukünftig wird das Energieforschungsprogramm auch in den Prozess der High Tech Agenda Deutschland eingebunden sein. Um das Programm entsprechend weiterzuentwickeln, baut das BMWE insbesondere auf die Expertise aus den Forschungsnetzwerken Energie.
Beteiligung gefragt: Fachlichen Input per Online-Umfrage einbringen
Als Nachklapp der Vollversammlung haben die Mitglieder des Forschungsnetzwerks Windenergie die Möglichkeit, per Slido-Umfrage fachlichen Input zur Weiterentwicklung der angewandten Forschung speziell im Bereich der Windenergie einzubringen. Themen und Aufbau des Fragebogens wurden von den Teilnehmenden der Vollversammlung diskutiert und vorbereitet. Den Umfragelink zu Slido erhalten die FNEE-Wind-Mitglieder zeitnah.
Daneben haben alle Netzwerkmitglieder die Möglichkeit, weiteren Input über die Umfrage zum Konsultationsprozess per Lime Survey sowie per schriftlicher Stellungnahme einzureichen.
Projektergebnisse zeigen Vielfalt der Forschungsaktivitäten
Die präsentierten Ergebnisse aus Forschungsprojekten der am Netzwerk beteiligten Unternehmen und Forschungseinrichtungen sind so vielfältig wie beeindruckend: Eine Lidar-basierte Vorsteuerung für Windenergieanlagen führt etwa dazu, die Gierwinkelnachführung zu optimieren. Das ermöglicht einen höheren Energieertrag, die Lebensdauer der Anlage steigt. Prof. Dr. David Schlipf, Hochschule Flensburg, nutzte die Veranstaltung direkt zur weiteren Vernetzung: „Wir würden gern mit der Industrie kooperieren. Unser Ziel: Mindestens ein Lidar auf jeder Anlage.“
Eine weitere Erfolgsgeschichte ist die der Untersuchung von Windverhältnissen in Offshore-Windparks aus dem Themenbereich der AG Physikalische Faktoren. Durch die Arbeiten in aneinander anknüpfenden Projekten haben die Projektteams konkrete Empfehlungen für die Industrie und Planungsbehörden abgeleitet: „Beim Bau neuer Offshore-Windparks können großräumige Abschattungseffekte anhand der Empfehlungen vermieden werden“, berichtete Dr. Lukas Vollmer vom Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme, „der Gesamtertrag von Windparkclustern steigt.“
Die Vorträge zeigen, dass die Ergebnisse der Förderprojekte umgesetzt werden und dass der Praxistransfer funktioniert, hieß es aus dem BMWE. So lasse sich darstellen, was bereits alles bewegt wurde und was noch in der Pipeline ist.
Start der neuen Arbeitsgruppe „Rückbau und Recycling“
Neben dem Ausbau der Windenergie gehört auch der Rückbau von Anlagen, die ihr Lebensende erreicht haben, zu den wichtiger werdenden Forschungsthemen. Das Forschungsnetzwerk Windenergie reagierte darauf mit der Gründung der neuen Arbeitsgruppe „Rückbau und Recycling“, die ab sofort durch die Mitglieder für den fachlichen Austausch genutzt werden kann.
„Es gibt eine Reihe von Dingen, die zu beachten sind, daraus ergeben sich gewisse Unwägbarkeiten“, erklärte der neue Sprecher Alexander Schenk, Fraunhofer IWES, zum Forschungsbedarf in Bezug auf den Offshore-Rückbau. So seien zum Beispiel die Auswirkungen verschiedener Varianten des Kolkschutz-Rückbaus um das Fundament der Anlagen aktuell in der Diskussion: Darauf entstehe während 20 Jahren im Wasser ein dichtbesiedeltes Ökosystem.
Haras Najib, VDMA, zweiter Sprecher der AG, wies auf die „International Roadmap for Enabling Rotor Blade Recycling“ hin, die innerhalb des IEA Wind Tasks 45 in Arbeit ist. „Wichtig ist ein gemeinsames Vorgehen“, so Najib: „Wo sehen wir uns in den kommenden Jahren? Das schafft Sicherheit für Forschende und Projekte, für zukünftige Investitionen und unterstützt Entscheidungsfindungen für regulatorische Rahmenbedingungen.“
Fachausschuss Onshore
- Andreas Rettenmeier, Teamleiter Wind am ZSW
- Dr. John Kalisch, Projektleiter, Innovationsmanager und Technologiemanager bei Enercon
Fachausschuss Offshore
- Prof. Dr. Raimund Rolfes, Leiter ISD und stellvertr. Direktor TTH
- Dr. Dennis Kruse, Geschäftsführer Deutsche WindGuard
Arbeitsgruppe Rückbau und Recycling (neu)
- Haras Najib, Leiter VDMA AG Windindustrie
- Alexander Schenk, Gruppenleiter am Fraunhofer IWES
Arbeitsgruppe Physikalische Faktoren
- Dr. Thomas Neumann, Wissenschaftlicher Leiter bei der FGW e.V.
- Prof. Dr. Kerstin Avila, Professorin an der Universität Oldenburg, Vorständin ForWind
Arbeitsgruppe Akzeptanz
- Dr. Michaela Herr, Abteilungsleiterin Windenergie beim DLR
- Jan Hildebrand, Leiter des Arbeitsfeldes Umweltpsychologie bei der IZES gGmbH
Arbeitsgruppe Anlagentechnik
- Dr. Martin Knops, Managing Director CWD RWTH Aachen
- Thorsten Schneider, Innovation Project Manager bei Siemens Energy
Arbeitsgruppe Betrieb
- Dr. Jan Teßmer, Koordinator Windenergieforschung im DLR, Kommissarische Leitung der OE „Windenergieexperimente“
- Ursula Smolka, verantwortlich für den Übergang von 0,5 GW bestehendem Onshore-Betrieb zu 3 GW repowerter Kapazität in Deutschland bei NeXtWind
Vormerken: MatchMaking-Symposium im Oktober 2026
Das Netzwerk bietet für Forschende aus Unternehmen und Forschungseinrichtungen gro-ßes Potenzial für mögliche Themenverbünde, sowohl gezielt innerhalb ihrer jeweiligen Arbeitsgruppen als auch thematisch übergreifend – die nächste Möglichkeit für ein persönliches Treffen der Netzwerkmitglieder bietet das MatchMaking-Symposium in Hamburg am 7. und 8. Oktober 2026. (mb)