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Gruppenfoto der Teilnehmenden der Auftaktveranstaltung vor dem DLR :envihab in Köln.
© Projektträger Jülich / Forschungszentrum Jülich GmbH
19.06.2026 | Erneuerbare Energien

Auftakt für die AG Solarthermie- und Speicher-Technologieplattform

Wie kann Solarthermie einen noch stärkeren Beitrag zu einer zukunftsfähigen Energieversorgung leisten? Darüber diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung, Industrie und Politik bei der Auftaktveranstaltung der AG Solarthermie- und Speicher-Technologieplattform in Köln.

Die Veranstaltung fand im Rahmen des Forums Energieforschung der Forschungsnetzwerke des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) statt. Ziel der neuen Arbeitsgruppe ist es, die bisher getrennt arbeitenden Bereiche der Nieder- und Hochtemperatursolarthermie zusammenzuführen und den fachlichen Austausch entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu stärken.

Die Gründung der neuen Arbeitsgruppe erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Bedeutung erneuerbarer Wärmeversorgung weiterwächst.  Aktuelle Projekte wie die Inbetriebnahme der größten Solarthermieanlage Deutschlands in Leipzig zeigen, dass Solarwärme zunehmend in Gebäuden, Wärmenetzen, Industrieprozessen und Energiesystemen eingesetzt wird. Dabei wird das technische Potenzial der Solarthermie in Deutschland in verschiedenen Studien auf rund 100 bis 200 TWh pro Jahr geschätzt.

Zu Beginn der Veranstaltung wurden die Ziele der neuen fusionierten Arbeitsgruppe vorgestellt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Forschungs- und Innovationsbedarfe künftig gemeinsam identifiziert und in den Konsultationsprozess des lernenden 8. Energieforschungsprogramms eingebracht werden können. Zudem diskutierten die Teilnehmenden die Rolle der Solarthermie in einem zunehmend integrierten Energiesystem.

Status und Perspektiven der Solarthermie

Fachliche Impulse aus Industrie und Forschung beleuchteten unterschiedliche Anwendungsfelder der Solarthermie. Vorgestellt wurden aktuelle Entwicklungen, Markttrends und technologische Perspektiven.

Die Beiträge zeigten die Einsatzmöglichkeiten solarthermischer Technologien in Gebäuden und Quartieren, für Wärmenetze, in der Industrie sowie für die Stromerzeugung auf. Ergänzt wurden diese Einblicke durch aktuelle Entwicklungen im Bereich thermischer Speicher.

Deutlich wurde dabei, dass Solarthermie zunehmend über die Versorgung einzelner Gebäude hinausgedacht wird. Im Fokus standen Fragen der Systemintegration, der Einbindung in Wärmenetze sowie der Kopplung mit Speichertechnologien. Große Anlagenprojekte zeigen, dass Solarwärme inzwischen auch im kommunalen Maßstab zur Wärmeversorgung beitragen kann.

Hervorgehoben wurde zudem die Rolle thermischer Speicher, die Energieerzeugung und Energiebedarf zeitlich entkoppeln können. Gleichzeitig gelten Standardisierung, Digitalisierung und die Integration solarthermischer Technologien in bestehende Energiesysteme als wichtige Voraussetzungen für eine breitere Markteinführung.

Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussionen aus dem Bereich der konzentrierenden Solarthermie waren die internationalen Entwicklungen bei solarthermischen Kraftwerkstechnologien. Die Teilnehmenden erörterten, wie die wissenschaftliche Expertise in deutschen Forschungseinrichtungen und Unternehmen sowie die leistungsfähigen europäischen Forschungsinfrastrukturen auch künftig zur Weiterentwicklung der Technologie beitragen können. Vor dem Hintergrund dynamischer internationaler Markt- und Innovationsentwicklungen wurde insbesondere die Bedeutung einer engen europäischen Zusammenarbeit hervorgehoben.

In diesem Zusammenhang wurde auch die Rolle von EU-SOLARIS , der europäischen Forschungsinfrastruktur für konzentrierende Solarenergie, thematisiert. Die Einrichtung bündelt Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten europäischer Partner und unterstützt den Zugang zu spezialisierten Forschungsanlagen und Testinfrastrukturen.

Gemeinsame Arbeitsgruppe gegründet

Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung war der fomelle Auftakt einer künftigen gemeinsamen Arbeitsgruppe Solarthermie- und Speicher-Technologieplattform. Vertreter der bisherigen Arbeitsgruppen aus Wissenschaft und Industrie erläuterten die Beweggründe für die Zusammenführung und stellten erste Leitlinien für die zukünftige Zusammenarbeit vor.

Künftig soll die Arbeitsgruppe als Plattform für den Austausch zwischen Forschung, Industrie und Politik dienen und die unterschiedlichen Anwendungsfelder der konzentrierenden und nichtkonzentrierenden Solarthermie stärker miteinander verknüpfen. Ziel ist es, Forschungsbedarfe entlang der gesamten Wertschöpfungskette sichtbar zu machen und gemeinsame Aktivitäten für Forschung, Entwicklung und Transfer anzustoßen.

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Forschungsbedarfe gemeinsam erarbeitet

Im zweiten Teil der Veranstaltung arbeiteten die Teilnehmenden in vier neu gegründete thematischen Teams zu den Bereichen Wärmeversorgung von Gebäuden, Solarthermie für Wärmenetze, Industrie- und Prozesswärme sowie Stromerzeugung und Kraft-Wärme-Kopplung. Um einen engen Bezug zu Forschung und Anwendung sicherzustellen, werden die Teams jeweils von einer Vertreterin bzw. einem Vertreter aus Wissenschaft und Industrie geführt.

Im Mittelpunkt standen technologische Engpässe, offene Forschungsfragen, Infrastrukturbedarfe und Markthemmnisse. Ziel war es, konkrete Forschungs- und Innovationsbedarfe für die zukünftige Arbeit der Arbeitsgruppe zu identifizieren.

Die Ergebnisse wurden anschließend im Plenum vorgestellt und diskutiert.

Wärmeversorgung von Gebäuden

Die Teilnehmenden identifizierten insbesondere Forschungsbedarf bei der Integration solarthermischer Technologien in bestehende Gebäude und Quartiere. Diskutiert wurden die Kopplung von Solarthermie, PVT-Systemen, Wärmepumpen und thermischen Speichern sowie die Entwicklung ganzheitlicher Energiekonzepte. Darüber hinaus wurden Standardisierung, offene Schnittstellen, Datenverfügbarkeit und der Einsatz digitaler Werkzeuge zur Betriebsoptimierung als wichtige Handlungsfelder benannt.

Solarthermie für Wärmenetze

Im Fokus standen die Einbindung großer Solarthermieanlagen in Wärmenetze sowie die Rolle saisonaler Wärmespeicher. Die Diskussion verdeutlichte den Bedarf an standardisierten Netz- und Speicherkonzepten, zukunftsfähigen Wärmenetzstrukturen sowie geeigneten regulatorischen Rahmenbedingungen. Mehrfach wurde die Bedeutung verlässlicher Förderinstrumente und einer stärkeren Verzahnung von Forschung, Demonstration und Umsetzung hervorgehoben.

Industrie- und Prozesswärme

Die Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit den Potenzialen solarthermischer Technologien für industrielle Anwendungen. Genannt wurden unter anderem Hochtemperatur-Wärmespeicher, die Integration solarthermischer Systeme in bestehende Produktionsprozesse, digitale Monitoring- und Optimierungslösungen sowie standardisierte Komponenten und Baukastensysteme. Darüber hinaus wurden Demonstrationsvorhaben, Finanzierungskonzepte und die europäische Zusammenarbeit als wichtige Voraussetzungen für eine breitere Markteinführung diskutiert. Die Arbeitsgruppe strebt eine enge Zusammenarbeit mit dem Forschungsfeld Wärme und Abwärme im Forschungsnetzwerk Industrie und Gewerbe an.

Stromerzeugung und Kraft-Wärme-Kopplung

Die Diskussion konzentrierte sich auf die Weiterentwicklung konzentrierender Solarthermie (CSP) und deren Einbindung in zukünftige Energiesysteme. Im Mittelpunkt standen Entwicklungen auf Komponentenebene, modulare Anlagenkonzepte, Speichertechnologien, Standardisierung sowie hybride Lösungen zur Bereitstellung flexibler erneuerbarer Energie. Zudem wurden internationale Kooperationen und gemeinsame Forschungsinfrastrukturen als wichtige Bausteine für die weitere Entwicklung des Technologiefeldes benannt.

Teilnehmende der Auftaktveranstaltung stehen in kleinen Gruppen zusammen und tauschen sich in einem hellen Foyer aus.
Die Vernetzung unterschiedlicher Akteure schafft die Grundlage, um Wissen zu bündeln, Herausforderungen gemeinsam anzugehen und Innovationen schneller in die Anwendung zu bringen.

Ausblick auf die weitere Zusammenarbeit

Zum Abschluss wurden die nächsten Schritte für die Zusammenarbeit innerhalb der Arbeitsgruppe vorgestellt. Geplant sind weitere Online- und Präsenztreffen, bei denen die identifizierten Forschungsbedarfe vertieft und gemeinsame Aktivitäten entwickelt werden sollen.

Die Diskussionen machten deutlich, dass die Weiterentwicklung der Solarthermie nicht von einzelnen Technologien allein abhängt. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Energiezeugung, thermischen Speichern, Netzintegration, Regelungstechnik und geeigneten Rahmenbedingungen. Die neue Arbeitsgruppe soll dazu beitragen, Forschungsbedarfe entlang dieser gesamten Wertschöpfungskette sichtbar zu machen und gemeinsam weiterzuentwickeln.

Die Auftaktveranstaltung machte deutlich, dass Solarthermie und thermische Speichertechnologien in unterschiedlichen Anwendungsfeldern einen wichtigen Beitrag zu einem zukunftsfähigen Energiesystem leisten können. Aktuelle Umsetzungsprojekte zeigen zugleich, dass viele Forschungsfragen inzwischen den Weg in die Praxis finden. Die neue Arbeitsgruppe soll diesen Transfer weiter unterstützen und zusätzliche Impulse für Forschung und Entwicklung setzen.

Im Anschluss an die Veranstaltung bestand Gelegenheit zum weiteren Austausch sowie zur Besichtigung der Forschungseinrichtungen des DLR. Am Folgetag fand ebenfalls in Köln das 29. Sonnenkolloquium statt, das vertiefende Einblicke in aktuelle Entwicklungen der Solarthermie bot. (sk)

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